Mein Jahresalphabet

B wie Blase (Januar '18)

Hier will ich nicht von meiner biologischen Blase reden, sondern von der Blase in der ich mich hier befinde. Warum ich das Gefühl habe in einer Blase zu stecken? Weil ich mit 4 Deutschen zusammen  wohne und hauptsächlich mit dieser Gruppe und den Freiwilligen von VIA e.v. zusammenhänge. Ich liebe all diese wundervollen Menschen und bin froh, sie kennen gelernt zu haben, aber sie stellen einen Teil der Blase da. Andererseits stecke ich in einer Blase weil wir häufig an den Orten an denen wir sind auch andere Westler treffen. Unsere Stammbar ist überlaufen mir Westlern, in dem Kino in das wir total gerne gehen, sind auch kaum khmers anzutreffen, das selbe gilt bei Sportangeboten die wir gefunden haben oder anderen Bereichen. Die Expatszene ist zwar so 'klein', dass einem manche Gesichter immer wieder über den Weg laufen und man sie überall trifft, aber doch so groß, dass man sie eben überall trifft. Dadurch, dass mir meine khmer-kentnisse fast peinlich sind und man auch mit Englisch überall super durchkommt, wird das ausbrechen der Blase auch nicht gerade begünstigt. Auf der anderen Seite lebe ich in der Hauptstadt und ich habe das Gefühl jetzt zu wissen was die Großstadtanonymität ist, von der im Expressionismus geredet wurde, die wir in vielen Werken in der Schule gefunden haben.

 

D wie Durchfall (nach 2 Wochen in Kambodscha)-

Ein für manche vielleicht unangenehmes Thema, wer es nicht lesen will, kann es ja einfach lassen. :)

Bei unserem Vorbereitungsseminar waren auch Krankheiten ein großes Thema, darunter auch Durchfall. Zu diesem Thema hatte unser  humorvoller Tropenmediziner auf der Präsentation als Startseite ein Bild der Victoria Fälle gewählt. Wir haben uns natürlich besonders mit der Prävention von Durchfall beschäftigt und hier angekommen haben wir uns (an eine Vielzahl) der Regeln gehalten und uns wie Bolle gefraut, dass unser Stuhlgang trotz der anfänglichen Befürchtungen noch immer fest und gesund war. Vielleicht haben wir uns ein wenig zu sehr darüber gefreut.
Anfang der zweiten Woche von uns hier begann dann die "Party" (unser schönes Kotwort) und zwar bei uns allen 5. So richtig losgeworden konnten wir es bis jetzt noch nicht, ich hoffe sehr, dass es nicht noch viele weitere "Partys" gibt und bis jetzt ist sie auch noch bei keinem von uns ganz eskaliert.

 

Update (14.12.2017) : Ich sage nur, inzwischen haben bereits 3 Personsen unserer WG von der Elektrolytlösung aus unserer Reiseapotheke Gebrauch gemacht.

 

F wie Füße (nach 2 Wochen in Kambodscha)-

Die Füße stehen in der Hierarchie der Buddhisten echt weit unten und deshalb darf man nicht mit ihnen auf Buddha oder andere Menschen zeigen, oder Kissen und Köpfe berühren.
Mit Füßen konfrontiert wird man hier aber eigentlich dauerhaft. Ich habe seit ich hier bin keine festen Schuhe mehr angehabt und eine Großzahl der Menschen läuft mit Flipflops, Birkenstocks oder ähnlichen Schuhen herum. Das ist natürlich von daher praktisch, dass die Füße nicht durch die Hitze stark schwitzen und stinken, aber auch weil man in der Regel seine Schuhe immer vor Betritt von Häusern und Wohnungen auszieht, auf jeden Fall auch wenn man Pagoden betritt und zusätzlich auch in den meisten Büros. Dort ist man dann barfuß unterwegs, oder in Socken.

 

K wie Korruption (Nach fast 5 Monaten in Kambodscha)-

Das irgendwann plötzlich ein 'corruption corruption' mit einem imitierten khmer Akzent und nicht zu versteckender Begeisterung von einem von uns 5 Brötchen gerufen wird ist keine Seltenheit.

Nachdem wir leider unsere Visa kurzfrisitig verloren hatten, durch einen schusseligen Fehler unsererseits, weil wir gekonnt überlesen haben, dass auf unserem Visum "Entry: Single" stand, waren wir danach mit unserer Landesmentorin bei einer Art Visa Agency (die auch noch einen Motoverleih betreibt). Dort wurde uns erzählt das ganze Problem hätten wir nicht am Hals, wenn wir direkt an der Grenze von Vietnam zu Kambodscha den Beamten dort noch pro Person 5 oder 10 Dollar zugesteckt hätten, weil sie uns dann anstatt des Touristenvisums (mit dem man nur kurze Zeit im Land bleiben und nicht arbeiten dürfen) ein Businessvisum (das wir gebraucht hätten) gegeben hätten.
Im Nachhinein macht das nicht wenig Sinn, auch das Verhalten der Uniformierten am Grenzübergang und ich habe sogar noch überlegt: "Ist das jetzt der Moment, in dem ich im noch etwass Geld unauffällig rüberschieben sollte?" fand das dann aber doch zu absurd.

Ich habe der freundlichen Frau in der Agency aber dann auch erklärt, dass ich keine Ahnung habe wie das mit Korruption läuft. woraufhin sie mir dann den genauen Vorgang erklärt hat, wie man am besten bei einer solchen Sache die Polizisten besticht. An diesem Tag schwang die Begeisterung in den Worten 'corruption, curruption' mehrmals mit, was für uns ziemlich befremdlich war, sich aber nun zu einer Art joke entwickelt hat.

Generell weiß man aber auch wirklich, dass man aus allem durch ein paar Dollar schnell wieder rauskommt und dass man auch von den Polizisten im Straßenverkehr angehalten wird, wenn man nichts falsch gemacht hat, welche dann eine viel zu Hohe Strafe von einem verlangen (besonders wenn man ein Ausländer ist).

Es wurde uns auch von einem khmer Studenten erzählt, dass es vor ein paar Jahren eine Reform gab. Vor dieser Reform wurde vor Klausuren immer Geld zusammengelegt von allen Studenten, welches dann sowohl dem Lehrer gegeben wurde, als auch den Aufpassern vor der Türe und im Klassenraum die gegen Spickversuche wirken sollten, gegeben. Das war wohl komplett normal und so konnten alle ihre geschriebenen Zettel rausholen während der Klausur und abschreiben. Seit der Reform ist das wohl jetzt alles ein wenig schwieriger und wird nicht mehr in solcher Art bei ihm im Studium praktiziert, wir waren aber auf jeden Fall ein wenig geschockt.

 

L wie Langeweile  (nach fast 5 Monaten in Kambodscha)-

Ich denke die meisten von euch sind nicht überrascht, dass einem als Freiwilliger der eigentlich noch nicht so Ahnung von irgendwas im Leben hat, auch häufig einmal langweilig ist wenn man im Büro sitzt und es eigentlich nicht so wirklich Arbeit für einen gibt. Daraus ist dieser Blog entstanden, in Gedanken an momentanige oder zukünftige Freiwillige die sich an der Arbeit langweilen und nicht mehr so genau wissen was sie noch machen können, hier ist unser Ansatz einer Lösung:  Freiwilliglangweilig!

Auch wenn ich aber häufig nicht wirklich viel zu tun habe in unserem Büro finde ich doch immer irgendwelche Sachen die ich tun kann, auch wenn sie nicht unbedingt mit meiner Arbeit zu tun haben.

 

R wie Reisen (wird immer weiter aktualisiert)-

habe ich bereits nach:

  • Sihanoukville (für einen Wochenendtrip)
  • Vietnam (Ho Chi Minh, Mui Ne, Chao Doc; für eine Woche)
  • Chi Pat (übers Waterfestival)
  • Chambok (um dort die liebe Jana zu besuchen)
  • Businesstrip nach Siem Reap
  • Rabbit Island (auch Koh Tonsay genannt) über Silvester
  • Anfang Januar: Kampot und Kep

 gemacht.

 

S wie Straßenverkehr (nach 2 Wochen in Kambodscha) -
Was als erstes den Verkehr betreffend auffällt, ist, dass hier Motorräder als Hauptverkehrsmittel genutzt werden. Die Autos, die hier gefahren werden, sind sehr groß und teuer und passen nicht so wirklich in das ganze Bild von Phnom Penh. Praktisch sind sie hier in der Stadt auch auf keinen Fall. Sie dienen eher als Statussymbol und fallen auch stark auf. Meine Mitfreiwilligen und ich fahren in der Regel mit dem Fahrrad zur Arbeit, generell sind es aber auch eher die Westler, die von Fahrrädern Gebrauch machen, obwohl es echt gut funktioniert. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es eigentlich auch keine.


Auf den ersten Blick wirkt der Verkehr sehr chaotisch. Stoppzeichen werden eigentlich gar nicht beachtet, Vorfahrtsregeln gibt es auch nicht und bei den wenigen Ampeln gilt generell, dass man einfach fahren kann, wenn man niemanden umfährt. Die Ordnung im Verkehr besteht eigentlich einfach darin, dass alle sehr langsam fahren und man dann auch für andere Leute anhält. Es ist auf jeden Fall für uns, die wir noch nicht so sehr an den Verkehr gewöhnt sind, ein wenig gefährlicher als in Deutschland und bei den ersten Fahrraddfahrten kam zu dem eh schon durch die Hitze verursachten Schweiß eine Menge Angstschweiß dazu.
Ich hand habe es nun so, dass ich ein wenig früher losfahre, das letzte Stückchen dann fast nur noch rolle und dann im Büro angekommen erst einmal in Richtung Ventilator eile, ihn anschalte und vor ihm gute 10 Minuten verbringe, während ich einen leckeren Kaffee mit Eiswürfeln trinke und mich mit Kollegen oder buddhistischen Mönchen unterhalte.

 

Nachdem Maria bereits schon fast von einem LKW erfasst wurde (es wurde noch fast der für Phnom Penher typische Sicherheitsabstand von wenigen Zentimetern eingehalten, aber in Deutschland könnte man dafür vermutich schon jemanden anzeigen) und ich mit meinem Fahrrad gegen ein Motorrad gedüst bin, fühlen wir uns nun ein wenig besser vorbereitet und freuen uns schon (fast) auf die nächsten Touren und das Adrenalin, das wir durch die aufregenden Fahrten bekommen.

 

 

V wie Ventilator (nach 3 Wochen in Kambodscha)-

Die Beziehung zwischen mir und Ventilatoren würde ich als Hassliebe beschreiben. Und ich glaube diese Art von Beziehung pflegt fast jeder. Während die Aircondition (kurz AC) schnell dazu führt, dass man das Bedürfnis hat sich eilig einen Pulli über zu ziehen oder aus dem Raum zu flüchten (oder wie wir es bei einem indischen Restaurant gehandhabt haben und einfach sofort wieder umgedreht sind, als wir in den Raum getreten sind, der sich wie ein Kühlschrank angefühlt hat).

 

Die AC haben wir nach den ersten Tagen hier überhaupt nicht mehr benutzt und der Ventilator ist auch um einiges besser für die Stromrechnung und für die Umwelt. Durch den Ventilator kann man sich wenn man die Augen schließt manchmal fühlen als wäre man gerade am Nordseestrand und die Meeresbriese würde einem um die Nase fegen. Naja, dafür braucht man so einiges an Imaginationskraft, aber unmöglich ist es auf keinen Fall. 

Noch immer nicht gewöhnt habe ich mich aber daran, dass man alles immer direkt mit irgendetwas beschweren muss, damit es nicht sofort wegfliegt. Das ist auch der dunkle Teil an der Ventilatorbeziehung. Unsere aufgehängten Bilder, die uns ein Teil von zu Hause hierher bringen sollten, werden immer wieder umhergewirbelt. Geld und Blätter fliegen schnell umher, wenn man mal einen Moment vergisst, an den Ventilatorwind zu denken und es sind schon total viele Blätter nach mehreren Begegnungen mit dem Ventilatorwind total zwerknittert gewesen.

Das man häufig gegen ihn läuft, wenn er im Zimmer rumsteht, ist wohl eher unsere Schuld als seine, aber auf jeden Fall auch ein Nachteil, genauso wie das ständige surren, das man im Hintergrund hört, bei allem was man tut.

 

 W wie Weihnachten

Obwohl es nicht sonderlich viele Christen in Kambodscha gibt, merkt man gerade in der Hauptstadt doch ein wenig Weihnachtsstimmung. Dadurch, dass hier so viele Expats leben und Touris unterwegs sind, wird natürlich auch vieles für sie ausgelegt. An vielen Kaffees prankten Merry Christmas Schilder, man konnte auch Weihnachtsbäume und Lametta finden. In meiner Schule haben viele Kinder auch Weihnachtslieder gesungen (ganzjährig hängen an der Wand dort ausgemalte Weihnachtsmänner), beides ist vermutlich den Kurzzeitfreiwilligen zu verdanken, die oft bei uns in der Schule unterrichten. In den Provinzen ist das natürlich nochmal eine andere Sache, dort ist Weihnachten nicht so bekannt. Ich fand aber ehrlich gesagt, die Weihnachtsstimmung eher ein wenig unangenehm, weil ich das Gefühl hatte, dass es ursprünglich halt kein Fest der kambodschaner ist und sie dadurch auch nicht wirklich etwas damit anfangen können und man doch sehr, sehr stark den Einfluss der 'Westler' dadurch spüren konnte.

 

 Z wie Zahnimplantat (nach einem Monat und 2 Wochen in Kambodscha)-

Da ist mir doch tatsächlich relativ früh eines der Dinge passiert, die im Nachhinein eine total witzige Geschichte darstellen, aber währenddessen weniger witzig sind.
Wir sind in unserem Urlaub in Vietnam, wir machen eine Touritour, bei denen wir uns fühlen, als würden wir uns live in einer Dauerwerbesendung befinden. Wir bekommen unter anderem eine kleine Fabrik gezeigt, bei der Kokosbonbons hergestellt werden. Wir haben wieder eine Riesenauswahl an Sachen die wir kaufen können. Wir boykottieren die ganze Tour jedoch ein wenig und haben bereits am Vortag beschlossen, die ganze Tour über nichts zu kaufen. Probieren ist aber erlaubt.

 

Ich bin also gerade dabei ein süßes, gerade frisch hergestelltes Kokosbonbon mit Kakaogeschmack zu naschen (zu probieren), als mir auffällt, dass etwas nicht stimmt. Geschockt stelle ich fest, dass mir mein Zahnimplantat herausgefallen ist. Glücklicherweise konnte ich es noch in dem Bonbon in meinem Mund wiederfinden und habe es nicht verschluckt. Daraufhin war ich also die letzten Tage des Urlaubs zahnlos unterwegs. Meine Mitfreiwilligen waren nach dem ersten Schock sehr erheitern (Martin hat gelacht, bis im die tränen kamen und konnte sich nicht mehr einkriegen) und es wurde alles ein wenig abenteuerlicher.

Ein paar Tage später, zurück in Phnom Penh, habe ich dann ersteinmal eine Zahnklinik aufgesucht und über meine Mutter meinen deutschen Zahnarzt des Vertrauens kontaktiert. Ich habe direkt für den selben Tag einen Termin in der Klinik bekommen, alle waren sehr nett und hatten Ahnung, es war alles topmodern und es hat klasse geklappt.

Der Zahn klebt nun wieder bombenfest und ich habe meinen ersten (und hoffentlich letzten) Arztbesuch gut überstanden,